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Trauer um Gianfranco Cecchin
* 22.8.1932  † 1.2.2004


Ich habe mit Gianfranco Cecchin einen guten Freund, ideensprühenden Kollegen und unterstützenden Mentor verloren, es schmerzt ihn nicht mehr unter uns zu haben. Ich werde ihn sehr vermissen! Ich werde in seinem Sinne unsere Arbeit fortsetzen.


„War er ein Missionar?“ - fragt die ältere Italienerin uns. Die spontane Antwort fällt unterschiedlich aus, die einen sagen “Nein“, die anderen antworten „Ja“. Unsere unterschiedlichen Antworten irritieren die Kirchgängerin.

Am vorderen Ende der Kirchbänke ist ein großes Bild von Gianfranco Cecchin aufgestellt. Die Trauergemeinde ist sehr groß - in der Kirche alleine ca. 500 Trauergäste. Viele systemische Therapeuten trauern in der ganzen Welt um Gianfranco Cecchin, der am 1. Februar 2004 bei einem Autounfall in der Nähe von Brescia/ Italien tödlich verunglückt ist. Eine traurige und bestürzende Nachricht für uns alle, die ihn kannten und auch für die, die seine Gedanken, Ideen und Konzepte über andere kennen gelernt haben.

Gianfranco Cecchin gehörte zu den ursprünglich vier systemischen Therapeuten des Mailänder Teams. Zusammen mit Luigi Boscolo leitete Gianfranco Cecchin seit 1982 das “Centro Milanese di Terapia della Famiglia” in Mailand. Mit seinen Ideen hat er Tausende und Abertausende von Therapeuten und Kollegen in aller Welt beeinflusst in ihrem Denken, in ihrer Haltung und in ihren methodischen Vorgehensweisen.

Erstmals sah ich ihn Anfang der 80iger Jahre auf einer Tagung - er sprach über Vorurteile und wie man sie nutzen könnte. Ich war verstört und fasziniert. Hatte ich doch gelernt - auch angesichts der deutschen Geschichte -, dass Vorurteile, zu verurteilen sind. Sie zu nutzen, neugierig mit ihnen umzugehen, war eine neue Idee für mich, die mich nie wieder verlassen hat.

Gianfranco Cecchin hat das für mich gelebt, was systemisches Denken ausmacht. Keine Themen waren ihm heilig, jede Art von konventionellem Denken und Tun warf er mit seinen Fragen und Kommentaren aus der Bahn. Seine Respektlosigkeit gegenüber Ideen und Einstellungen war jedoch stets verbunden mit einer großen Wärme, Zugewandtheit und Großzügigkeit gegenüber den Menschen. Sein Humor war eine wichtige Zutat auch in den schwierigsten Situationen von Menschen ihnen Hoffnung zu geben.

Er war ein Meister auch in den festgefahrensten Problemen und Konflikte durch seine enorme und rasche Beobachtungsfähigkeit und analytische Auffassungsgabe paradoxe und tragische Aspekte in einer „Normalität“ zu betrachten, die immer wieder neue Zugänge für Problemlösungen gab. Seine „verrückten“ Ideen waren ansteckend, führten bei mir und anderen dazu, bei aller Anstrengung stets „on the spot“ zu bleiben und die Verrücktheiten und Tragödien des Lebens neugierig und respektlos zu betrachten.

Ich mochte an ihm auch, dass er auch mal lineare Meinungen vertrat, nicht immer alles positive konnotierte, sondern auch Stellung bezog und sich (fach-)politisch einmischte, in dem er u.a. Widersprüche und Interessen sowie Kontexte mit ihren Aufgaben und Aufträgen analysierte und hinterfragte. Er war im wahrsten Sinne ein Querdenker, der jeden dazu ermutigte, es ihm gleich zu tun - und dabei das Leben zu genießen.

Gianfranco Cecchin war für viele von uns ein Freund und Wegbegleiter, ein Mentor und Kollege. Er hat unser aller Leben in sehr großem Maße bereichert und eine unermessliche Vielfalt an Ideen und Betrachtungsweisen gegeben, die wir nie vergessen werden. Er sagte noch im letzten Sommer, dass er keine Angst vor dem Sterben hätte, aber er wolle noch gerne 10+ Jahre leben. .... Ich - wir - werden ihn sehr vermissen.

Marie-Luise Conen


Erschienen in Teilen in der Zeitschrift „Kontext“ - 2004,
Heft 2
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